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Überschuldet in Trieb – 1661

Man redet zwar immer von der “guten alten Zeit”, jedoch war das Leben damals wohl eher herausfordernd gewesen. Fehlende soziale Absicherung, Kriegstreiben und Krankheiten machten den Menschen zu schaffen. In Steuerlisten ist ab und an mehr vom Leben unserer Vorfahren zu erfahren:

Caspar Hering. Hat vor ungefehr 10 Jahren von seinen Geschwistern undt Miterben das guth angenommen, aber noch nicht das geringste darauf bezahlen könen, weil er sich kaum mit seinem Weib undt kleinen unerzogenen Kindern nebst andern Abgaben dahin bringen kan, undt wo ferne die Schuldner in ihn würde tringen, Maßen Er solch Guth nicht den Dritten oder Viertentheil wie sene Eltern genießen kan, dahero weil die Zinßen von obigen Schulden von Jahr zu Jahren aufgelauffen, dieselben weit höher steigen als das guth an sich selbst werth ist…

Schocksteuerverzeichnis 1661, Nr. 786 / Häuserbuch Trieb, Herbert Steinmüller

Arbeitsdienst in Hattfjelldal (1940)

Arbeitsdienst in Hattfjelldal (1940)

Am 9. April 1940 hat Deutschland mit dem Unternehmen Weserübung die neutralen Staaten Dänemark und Norwegen überfallartig besetzt. Dänemark akzeptierte nach wenigen Stunden das Ultimatum der Deutschen, Norwegen lehnte ab. Die Schlacht um Narvik, welche die Deutschen fast verloren hätten, besiegelte letztlich das Schicksal Norwegens.

Im Norden Norwegens liegt der Ort Hattfjelldal. Hier wurde bereits im Jahre 1933 ein einfacher Landeplatz für Flugzeuge eingerichtet. Nachdem die Deutschen im Jahre 1940 die Kontrolle über das Gebiet übernahmen, begannen sie unverzüglich mit dem Ausbau des Flugplatzes. Mehr als 1000 Menschen waren am Ausbau beteiligt, hierbei wurden auch Arbeiter des Reichsarbeitsdienstes (RAD) herangezogen. Zuerst wurde der Platz mit Holz befestigt, später erfolgte der Ausbau mit einer Betondecke. Der Flugplatz ist der einzig noch bestehende betonierte Flugplatz in Norwegen und ist nach 70 Jahren immer noch täglich in Gebrauch.

Ziel des Ausbaus war die Nutzung des Flugplatzes für Tank-Zwischenstops der Junkers Ju 87. Dies wurde für Bombardierungen im Zusammenhang mit der Schlacht um Narvik genutzt.

 

Flugplatz Hattfjelldal

Mein Großvater leistete seinen Reichsarbeitsdienst in der Abteilung 2/376 in Hattfjelldal ab. Er war dort in der Zeit vom 17.07.1940 bis 08.11.1940 im Wehrmachtseinsatz Norwegen. Als Fahrer fuhr er einen Ford – V8 – 95 (3 to) Wagen.

Die norwegische Bevölkerung nahm die Arbeiter des Reichsarbeitsdienstes, die die Hakenkreuzbinde trugen, freundlich in Empfang. Sie dachten wohl, dass hier Österreicher zum Dienst gezwungen wurden. Die Arbeit war beschwerlich. Die Wege waren eng und teilweise unbefestigt. So kam es öfters vor, dass ein LKW in den Seitengraben rutschte und dort wieder herausgezogen werden musste.

Als Arbeitsmann erhielt er Ende September 1940 das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern.

 

Ich hatte vor mehreren Monaten die Fotos an die Kommune Hattfjelldal geschickt. Nach einiger Zeit kam nun ein erneuter Kontakt zustande. Es gibt scheinbar nicht viele Fotos von Deutschen aus dieser Zeit. Von den Motiven wurden, soweit möglich, die Standorte ausfindig gemacht.

So kann ich hier ein Vorher-Nachher-Bild von der Brücke präsentieren. Vielen Dank dafür an Terje Drevlandsjø.

Familienname Perthel

Der Name Perthel ist mein Familienname. Neben meinen direkten Vorfahren interessiert mich auch die Herkunft bzw. die Verbreitung des Familiennamens. Derzeit gehe ich davon aus, dass der Namen von fränkischen Siedlern in das nördliche Vogtland gebracht wurde. Der Name tritt in der Gegend um Elsterberg und Greiz gehäuft auf. Jedoch kann meine Annahme falsch sein. Um dies herauszufinden bin ich auf Zuarbeit von anderen angewiesen. Falls Sie den Familiennamen Perthel vor 1800 in anderen Gegenden gefunden haben, so würde ich mich über Informationen darüber sehr freuen.

Nun noch etwas zur Bedeutung des Namens: Im Jahrbuch #52 des Museums Reichenfels-Hohenleuben steht im Beitrag zur Ortsgeschichte Gablaus:

Perthel – oberdeutsche Schreibung für Berthel; Name nach dem Vater; Kurzform zum Rufnamen Berthold

Im Buch „Familiennamenbuch des sächsischen Vogtlandes“ von Volkmar Hellfritzsch ist folgendes zu lesen:

Berthel, Perlhel: um 1263 B(ertold ?) (plebanus L4,9 Pausa; 1293 dominus Bertoldus (Prior) L1,109 Plauen; 1404 Pertolt L15,l6a Oelsnitz; 1413 Nickel Perthel L2,567 Plauen; 1540 Erhart Perting L28,7b Ramodsreuth. – 1542 Erhardt Pertolt L10,36a – 1544 Erhardt Berthel L29,16a; 1584 Nickl Perthart – 1588 Nickl Pertolt Kre.13b.21 a Ruderitz – Bertel, Berttelt, Pert(e)l, Pertlh, Bert(h)olt, Perthold – Gansgrün, Rodersdorf, Schwand, Kemnitz, Mißlareuth, Bobenneukirchen, Marieney, Saalig – um 1800;L(5:5) Berthel (4), Perthel Rufname: ahd. beraht-wald. Die Entstehung der jüngeren Nebenform Bertold, -hold wurde durch sekundär -t der vorher meist zu Bert(h)el abgeschliffenen ehem. Vollform begünstigt. Berührung mit Barthel (s.d.) ist vereinzelt möglich. Vgl. DS33,23 -§§ l50. 161. 195. 202. 323. 342.

Ein weiteres Buch, welches sich mit Familiennamen beschäftigt, ist der „Deutsche Familiennamenatlas Band 2“. Dort wird der Name Perthel im Kapitel „3.8 Schwund von r und von ch in Patronymen aus Berchtold“ (Seite 884ff.) kurz erwähnt und scheint in dieser Form nur im vogtländischen Raum vorzukommen.

Online lesen kann man das Buch hier: http://paperc.de/15408-deutscher-familiennamenatlas-band-2-graphematik-phonologie-der-familiennamen-ii-9783110229806

Zum Schluss noch ein Link zur Verteilung des Namens:

http://christoph.stoepel.net/geogen/v3/Default.aspx?name=Perthel

Firma Otto Grimm

Firma Otto Grimm

Am 17. Juli 1872 wurde Otto Reinhard Grimm in Oberneumark geboren. Er heiratete am 17. Februar 1902 Ida Hedwig Schubert. Diese hatte von ihrem Vater ein Grundstück in der Vater-Jahn-Straße in Oberreichenbach geerbt.

Am 05. Juni 1903 erhielt Otto Grimm eine „Anzeigenbescheinigung“, auf welcher bescheinigt wird, dass er die Absicht hat „Kohlen-, Briquett- und Holzhandel“ zu betreiben. Auf dieser Bescheinigung wird das Brandkataster Nr. 104 genannt. Später gründet er am 05.07.1905 die Otto Grimm G.m.b.H. Über etwaige weitere Gesellschafter ist mir derzeit leider nichts bekannt.

Das Bürgerrecht der Stadt Reichenbach erhielt Otto Grimm am 09. Januar 1908. Ein Jahr später wird das Grundstück auf der Vater-Jahn-Str. mit einem Grundstück auf der Höferstr. getauscht. Somit ist man näher am Bahnhof und liegt zentraler. Der vorherige Besitzer des Grundstückes auf der Höferstr., Hermann Weiss, betrieb auch einen Kohlehandel. Er ist aber bei der Kundschaft dahingehend negativ aufgefallen, dass er beim Auskippen des Sackes mit jeder Hand ein Stück Kohle im Sack zurückhielt und somit einen Ruf als unehrlicher Kaufmann hatte.

Anzeigebescheinigung Otto Grimm 1903
Bürgerschein des Otto Grimm 1908
Werbung aus dem Reichenbacher Adressbuch 1911/1912

Im Jahr 1925 bekam Otto Grimm beim Abladen eines Pferdefuhrwerkes ein Kantholz auf den Kopf, welches ihn so unglücklich traf, dass er, am 21.11.1925 in Bad Elster an den Folgen starb. Danach wurden die Anteile an der Firma von Ida Grimm geb. Schubert übernommen.

Im Handelsregister wird die Tätigkeit der Firma wie folgt beschrieben:

„Handel mit Brennstoffen jeder Art, mit Futter- und Düngemitteln, sowie der Betrieb aller Geschäfte, die mit den vor Handel in unmittelbarem oder mittelbarem Zusammenhange stehen, ferner Fuhrgeschäfte und Spedition“

Zu diesem Zeitpunkt (5. Januar 1938) erscheint Ida Grimm allerdings schon nicht mehr in der Liste der Gesellschafter. In einer Anzeige vom 17. Juli 1937 gibt sie ihr Ausscheiden aus der GmbH bekannt und wirbt für ein Unternehmen, welches Sie unter eigenem Namen betreibt.

Am 01. April 1953 wird das Unternehmen auf Wolfgang Grimm umgemeldet.

Im Jahre 1990 wurden die Tätigkeiten der Firma eingestellt.

Anzeige zur Geschäftseröffnung 1937